Rudelausflüge ins Sauerland zu Corona Zeiten

Sauerlandtagestouristen sind wegen der anhaltenden Coronakrise ins Visier der Empörung geraten. Aber kann das Ansteckungsrisiko wirklich als Argument vorgebracht werden?

Also das die Leute, ins Sauerland strömen, um, booah, mal wieder Schnee zu sehen, finde ich auch merkwürdig. Aber nicht vorrangig wegen Corona Infektionen, die dadurch angeblich vorangetrieben werden. Denn, wenn es so ist, dass wir uns hauptsächlich in Innenräumen anstecken, weil wegen der Aerosole selbst ein Mindestabstand oft nicht ausreicht, kann der Ausflug im Freien keine Argumentation gegen diese Art von Rudelausflügen sein.

Deswegen mal meine Frage an die, die sich nun in den sozialen Medien und anderswo  an den Shitstorm gegen die Tagesausflügler beteiligen und die Coronakrise als Hauptargument vorbringen:

Wie evident ist es denn, dass das Infektionsgeschehen durch die Tagestouristen steigt? Und welche Erkenntnisse liegen denn vor, die belegen, dass die Menschen sich größtenteils nicht an die Coronschutzmaßnahmen hielten? Die Bilder in der Tagesschau vom 02.01.2021 haben nicht bei mir den Eindruck hinterlassen, dass die Menschen sich da eng einander gekuschelt haben.

Und wenn wir es nicht wissen können, sollten wir da nicht lieber die Möglichkeit nutzen, wissenschaftlich zu untersuchen, ob durch Schlittenfahren mit Kindern tatsächlich hohe Infektionszahlen entstehen? Bis zur Beantwortung dieser Frage finde ich es nicht zielführend die Coronakrise und sogar die tote Großmutter als Argument vorzubringen. Nur sind diese kritischen Überziehungen ja mittlerweile Standard in unserer „modernen“ Debattenkultur.

Ich wage mal folgende Hypothese: Bei unseren Weihnachts- und Silvestertreffen, auch im engen Kreis, war das Ansteckungsrisiko sicherlich höher, als wenn Kinder mit Ihren Eltern zum rodeln ins Sauerland fahren.

Trotzdem würde ich jetzt nicht auf die Idee kommen, mich an so einem Verkehrschaos zu beteiligen. Und ich bin auch fassungslos, dass Menschen nichts besseres zu tun haben, als beim ersten Schnee, auch wenn es mittlerweile was besonderes ist, sofort vom Ruhrgebiet ins Sauerland zu stürmen. Das sollte doch m.E Hauptkritikpunkt sein.  Trotz Warnung von überfüllten Verkehrswegen und Parkplätzen fahren viele trotzdem los oder kehren trotz Verkehrswarnungen nicht um. Verstopfte Straßen bedeuten für die Bürgerinnen und Bürger des HSK-Kreises, dass sie in Ihrer Alltagsmobilität stark eingeschränkt werden. Oder das Krankenwagen und Winterdienste nicht vorankommen. Komisch, dass das nicht erwähnt wird. Denn diese Kritikpunkte  halte ich viel berechtigter und auch evidenter.

Die Behörden machen Winterberg nun dicht. Das Problem. Wenn nicht alle dicht machen, wird das viele nicht davon abhalten in das nächste Schneegebiet zu fahren. Z.B in die Eifel. Somit wird das Verkehrschaos von der A45 auf die A1 Richtung Köln verlagert. Mutig schreibt ein Autor des Tagesspiegel: „Lasst sie Rodeln“. Ich sage. Rodelt nicht in Rudeln und verstopft die Straßen nicht. Es wäre vernünftig gewesen einfach mal in die Verkehrs-und Stau Apps zu schauen.

Corona Politik!? Keine Worte mehr! update: Nee jetzt doch ganz schön viel Worte!

Kannst du nicht mal einen differenzierten Kommentar zu den gestern aktuell beschlossenen „Lockdown Light“ schreiben?, fragte mich ein guter Bekannter.

Sorry, mir fehlen einfach die Worte. Ich kann nicht mehr. Ich kann nur sagen: Mein letztes Vertrauen in die Politik  fließt zusehend die Ruhr runter und ich habe so langsman kein Bock mehr hinter her zu schwimmen.

Vielleicht ein Satz dann doch: Hören Sie sich mehr an, was Hendrik Streeck sagt, um die apokalyptischen Einlassungen von Herrn Lauterbach besser einzuordnen.

Zum Regierungsnarrativ hier einmal eine Gegenerzählung, die, denke ich, nicht verdächtig erscheint, irgendwie verschwörungstheoretisch zu sein:

Ärzteblatt: „nicht zielführend“

Obwohl ich schon gespannt bin, ob die Lockdown-Fraktion in den Medien versuchen werden, Streeck und Andere öffentlich zu diskreditieren. Bin gespannt, ob die Medien die Gegenerzählungen abbilden werden oder ob die nächsten Talkrunden wieder überwiegend von Apokalyptikern wie Karl Lauterbach dominiert werden.

Jetzt habe ich doch mehr gesagt, als ich wollte. Also doch nicht ganz sprachlos. Reicht dir das Kumpel?

PS: Ich habe gerade im Tagesspiegel einen Artikel von Herrn Kubicki gelesen. Ich finde er beschreibt dort richtige und wichtige Aspekte.

PS: update mit Schreibfehlern

Ähhm damit da keine Missverständnisse aufkommen. Ich wende mich in der Tat gegen die Alarmisten in dieser Krise. Aber ausdrücklich auch gegen die Verharmloser_innen. Covid 19 ist eine ernste und gefährliche Krankheit, der ich mich auch möglichst fernhalte in der Hoffnung, dass es reicht, um mich und Andere zu schützen. Mich trifft der Lockdown auch nicht so stark. Ich habe einen guten Job, eine tolle Familie mit einem Stück Garten, wo ich mich zurückziehen kann. Natürlich sehe ich auch die Grundrechtseinschränkungen kritisch. Noch sorgenvoller blicke ich aber auf die wirtschaftlichen „Kollateralschäden“.

Meine Empathie gilt den Kranken, aber auch den Menschen, die durch die wirtschaftlichen Schäden hart gebeutelt sind. Einige, auch in meinem erweiterten Bekanntenkreis dadurch krank wurden. Und ich mache mir Sorgen um die Wirtschaft und dass es durch die Maßnahmen mittelfristig zu noch nicht absehbaren Verteilungskämpfe kommen kann. (M.E wird) Deswegen muss es zu einem pragmatischen Umgang mit diesem Virus kommen, den (den Virus) wir m.E zwar eindämmen können, aber so schnell nicht unschädlich machen können, geben, um Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Stabilität im Einklang zu bringen.

Wir können nicht von Lockdown zu Lockdown gehen. Das können wir uns, auch im reichen Deutschland, irgendwann nicht mehr leisten. Und damit schädigen wir eben auch das Gesundheitssystem. Denn ein gutes Gesundheitssystem braucht eine kräftige Volkswirtschaft. Andersherum kann die Politik nicht alla Trump nicht einfach nichts machen. Eine unkontrollierte Durchseuchung würde ebenfalls enorme Schäden unseres Gesundheitssystem zur Folge haben. (Hohe Krankmeldungen insbesondere des Pflegepersonals) Dazwischen den richtigen Weg finden ist nicht einfach. Nur ohne offenen Diskurs lässt er sich auch nicht finden. Deswegen würde ich mir über eine Diskussion, in der eine Langzeitstrategie, wie der Virologe Hendrik Streek es vorgeschlagen hat, im Vordergrund steht sehr sehr wünschen. Natürlich hoffe auch ich, dass die Zahlen jetzt sinken, aber ich befürchte sie werden dann auch wieder steigen und ich sehe die Gefahr, dass dann die Politik in noch härteren Maßnahmen geht. Über Ökonomischen „Kollateralschäden“ wird m.E viel zu wenig in der meinungsbildenden Öffentlichkeit diskutiert. Mit dem Ergebnis, dass es beispielsweise für Kultur und dem Gastrogewerbe zwar gewisse soziale Abfederungen in der Groko verabredet wurden. Nur: Es ist eben für die Betroffenen Menschen keine volle ökonomische Entschädigung. Das wäre solidarisch und fair! Warum wird das unterlassen?

Und noch was. Von wegen keine Worte. Meine Worte sind wieder da.

Corona-Maßnahmenkritik hat nichts mit Links und Rechts zu tun!

Die Kritik und das Hinterfragen der Maßnahmen hat auch nichts mit Rechts und Links zu tun. Es hat was mit unseren Sozialstruktur zu tun. Wohlhabende Menschen, zu denn ich auch gehöre haben doch natürlich einen anderen Blick auf das politische Krisenmanagement, als Menschen die aus ärmeren Schichten kommen.
Ein politischer Blogger schrieb im Frühjahr: “ Für Millionen Deutsche ist der Lockdown eben kein verlängerter Frühlingsurlaub daheim, sondern eine psychische und ökonomische Tragödie“ Quelle . Das gleiche gilt eben auch jetzt im Herbst. Auch wenn er mit “ Lockdown-Light“ gelabelt wird.

Wohlhabende Leute haben auch weniger Ansteckungsgefahr, weil sie es einfacher haben Abstandsregeln befolgen. Sie haben in der Regel Jobs, bei Arbeitgebern, die sich um ihre Mitarbeiter sorgen, Jobs, wo Abstandsregeln mit Betriebsräten organisiert werden können. Wohlhabende leben in größeren Wohnungen, wo auch die Abstände in den Familien besser organisiert werden können. Arme Menschen haben das nicht. Sie haben oft Jobs, bei denen sie viel (Fleischindustrie, Amazon, Lagertätigkeiten im allgemeinen) mit Menschen zusammen kommen und viele haben auch Arbeitgeber ohne Betriebsräte, die auf Hygienemaßnahmen scheißen. Sorry für den Ausdruck. Sie leben in Wohnungen mit viel mehr Personen auf viel weniger Quadratmetern. Das diese Menschen einen anderen Blick auf die Corona-Maßnahmen haben sollte jeden einleuchten.

Ich selber komme aus der gewerkschaftsorientierten „alten Mittelschicht“. Wir haben einen sehr großen Bekanntenkreis mit den verschiedensten Parteipräferenzen. Es gibt „querbeet“, also unabhängig der eigenen Weltanschauungen“, Freunde und Bekannte, die voll auf Lockdownkurs sind und Andere, die total Anti eingestellt sind. Die Meisten allerdings nehmen nach meiner Wahrnehmung nach eine Mittelposition ein, die heißt: Ernst nehmen, mitmachen und trotzdem pragmatisch in der Abwägung. Also eine Rationalität, die typisch für die Millieus der „alten Mittelklasse“ ist. Das ist natürlich absolut subjektiv.

Die Menschen, die gegen die Coronamßnahmen protestieren, ich muss das nicht gut finden, ist aber ihr Grundrecht, kommen nach meiner Beobachtung paradoxerweise auch eher mehrheitlich aus wohlhabenden Schichten. Reichsbürger und Merkwürdigkeiten wie Atila Hildmann mal ausgenommen.  Das identifiziere ich daran, dass ihr Focus auf die Grundrechtseinschränkungen liegen. Sich darüber Gedanken machen ist wichtig, auch für unsere Demokratie. Das ist zwar auch in ärmeren Schichten Thema, hat aber eben nach meiner Erfahrung dort weniger Relevanz, als in bürgerlichen Schichten.  Die Kritiker_innen aus der sog. Querdenkerbewegung kommen vermutlich, genauso wie viele Grüne und FDP Wähler:_Innen auch, aus der sog. „neuen Mittelschicht“, die der Soziologe Andreas Reckwitz  sinngemäß als singularisierte Selbstentfaltungklasse identifiziert hat. Menschen, die Standards verächtlichen und auf das Besondere stehen. Besonderheiten können eben auch manchmal Merkwürdigkeiten sein. Das meine ich mal generell so.

Und was macht die politische Linke?

Warum aber stürzt sich die kulturelle Linke auf diese Merkwürdigkeiten und verschwenden in Internetblogs ihre Zeit damit, diese Merkwürdigkeiten zu skandalisieren? Warum sammeln sie nicht die Menschen auf, die soziale Verwerfungen kommen sehen.

Es wäre gut, wenn die Linke auch, Pandemie geeignete Proteste organisieren würde, die nicht die Maske, sondern die Sorgen und Nöte der unteren Schichten in den Focus setzten würde. Ein unbegrenzter Lockdown ist aber bestimmt nicht der richtige Lösungsansatz.

Was ich eigentlich mit meinem Geschwafel mit vielen Schreibfehlern nun mit dann doch vielen Worten sagen wollte. Die Lockdownfans und die Maskenfeinde werden mich nicht auf ihrer Seite ziehen können !

Hat die Linke noch Ahnung von den Lebenswirklichkeiten der unteren Schichten?

PDie Akademisierung der politischen Linken schreitet immer weiter voran. Menschen mit und ohne Hochschulabschluss leben in unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten. Die politische Linke muss endlich wieder Empathie für die Benachteiligten bekommen. Aber das geht nur mit Beratung statt mit Herablassung.

Ich habe mich ja wegen meiner undifferenzierten Notiz zu den liberalen Hochschullinken natürlich unbeliebt gemacht. Ich will euch aber nicht verärgern, sondern wach rütteln!
Natürlich habe ich nichts gegen Bildungsexpansion und freue mich über jedes Kind aus klassischen Arbeitnehmerhaushalten, das es mit einem Hochschulabschluss schafft, sowie ökonomische, als auch kulturelle Gestaltungsräume zu öffnen.
Und natürlich gibt es viele tolle Persönlichkeiten, die in dieser „neuen Mittelklasse“ angekommen (0der mittlerweile auch hinein geboren) sind, eine herausragende Empathie für die hart arbeitenden Menschen aus der unteren Mittelschicht und prekären Klasse haben und ihren Habitus solidarisch für diese Menschen bereit stellen.

Frau Wagenknecht beispielsweise ist eine Persönlichkeit, die als Akademikerin erkannt hat, dass die linken Parteien, die eigentlich einst Arbeiterparteien waren, sich immer mehr zu Akademikerparteien entwickeln.

„Was heute als links gelte, habe mit den traditionellen Anliegen linker Politik nicht mehr viel zu tun, sagte Wagenknecht der „Süddeutschen Zeitung“. „Statt um soziale Ungleichheit, Armutslöhne und niedrige Renten drehen sich linke Debatten heute oft um Sprachsensibilitäten, Gendersternchen und Lifestyle-Fragen.“ Quelle Tagesspiegel

Wettbewerb wird als Bedrohung wahrgenommen/ Kooperationen nützen Menschen aus unteren Schicht nichts

Es ist nun mal so. Arme, Arbeitslose und Menschen die sich aus der Mittelschicht abgehängt fühlen, wählen mehrheitlich keine linke und progressive Parteien mehr. Sie fühlen sich gegängelt, wenn sie sich sprachlich nicht linkskorrekt ausdrücken oder werden mit der linken Nazikeule verprügelt, wenn sie Bedenken gegen unkontrollierte Einwanderung äußern. Die linke Avantgarde versteht nicht, dass diese Menschen Wettbewerb nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung wahrnehmen.  Begrüßenswerte Internationale Kooperationsbestrebungen der Linkskulturellen werden in unteren Schichten kaum bejubelt. („Was haben wir denn davon? Verbessert es auch unser Leben. Interessiert es euch überhaupt?“). Sicher nicht, weil sie gegen Kooperationen sind. Im Gegenteil. In ihren Milieus überleben sie durch gegenseitige Kooperationen Von den Entscheidungen von Oben kommt es für „uns da unten“ oftmals zu belastenden Wettbewerbssituationen. (Wohnungsmarkt, Arbeitsmarkt,  in Schulpflegschaften usw usw. ).

Die Wahlbeteiligung ist in diesen Schichten am geringsten und seit 2015 glauben viele von Ihnen, dass die AfD eine Alternative für ihr Schicksal sein könnte.
Das ist traurig und mir tut das tatsächlich auch sehr weh. Es ist auch für mich immer wieder in meinem unmittelbaren Umfeld eine zermürbende Herausforderung.
In linkskukturellen Kreisen, die auch immer mehr auf Gewerkschaften Einfluss haben, streite ich mich mit denen darum, dass mit partikularen Kulturinteressen keine soziale Ungleichheit bekämpft werden kann. Mit meinen eigene Milieuangehörigen aus der „alten Mittelschicht“ streite ich mich mit dem AFD Auswüchsen herum und versuche zu erklären, dass den völkisch konservativen und nationalliberalen AFD Eliten die Interessen der Arbeitnehmerschaft scheißegal sind.

Beraten statt Herablassungen

Ist das alles noch zu wenden? Ich hoffe, dass SPD und Linke in der Opposition zusammen sich daran erinnern warum ihre Mütter und Väter unter Einsatz ihres eigenen Leben sich organisierten, um Verbesserungen für die Benachteiligten und abhängig lebenden Menschen zu erreichen!
Es soll hier nicht heißen, dass  Akademiker_innen in sozialen Parteien nicht mehr willkommen sind. Ganz im Gegenteil: Aber vielleicht wäre mehr Beratung und weniger Gängelung Herablassung! Ich sag es mal platt: Malochende haben keinen Bock sich in „einer Tour“  von den linkskulturellen „Schlaudetts da oben“  gängeln zu lassen. 

Corona als Chance?

Die unteren Schichten wollen und brauchen neben soziale Sicherheit auch inneren Sicherheit. SPD Denker Nils Heisterhagen spricht hier von Verantwortungslinke, die in der Coronakrise wieder Boden gut machen könnte. Ich bin da etwas  skeptisch, weil ja gerade linke Parteien in der Corona Politik die Ängste der unteren Schichten, die übermäßig hart von den Maßnahmen betroffen sind, nicht in den Vordergrund stellen.  Man gewinnt manchmal den Eindruck, dass die Linke, die Kulturlinke,  Lockdowns, ob light oder hard, irgendwie hip findet und viel lieber ihre Zeit damit verschwenden wirre Ansichten einiger sog. „Corona Leugner“ zur Schau zu stellen, statt sich mit den Sorgen und Nöten der unteren Schichten, die die Einschränkungen durch die Maßnahmen am größten spüren, zu beschäftigen. Die soziale Ungleichheit wird sich, trotz vorübergehende keynseianische Wirtschaftspolitik, möglicherweise noch weiter verschärfen, wie der Sozialforscher Butterwege im Deutschlandfunk resümierte.

Was aber wenn die soziale und demokratische Linke (SPD und Linkspartei) das Thema „Corona und die sozialen Folgen“ komplett verschläft, weil die Sorge überwiegt noch mehr Wähler aus Akademikerschichten, dessen Corona-Sorgen eben nicht ökonomische (Ausnahme die Künstler_innen) sind,  an die Grünen zu verlieren?

Brauchen wir am Ende tatsächlich eine neue solidarisch- progressive Bewegung, die in diesem Kontext, beraten statt herablassen,  die Interessen der  Nichtakademiker_Innen wieder in den Vordergrund stellen?

PS:  Wenn Sie sich fragen, wie ich darauf komme, dass sich die Lebenswirklichkeiten mit dem Bildungshabitus (z.B mit-ohne Hochschulabschluss) unterscheiden, empfehle ich diverse Einlassungen von Wolfgang Merkel(Politikwissenschaften) und Andreas Reckwitz (Soziologe). Andreas Reckwitz Analyse zu den westlichen Sozialstrukturen sind m.E einleuchtend. Allerdings halte ich die Identifikation einer abstrakten neuen Mittelklasse, die akademisch und individualistisch geprägt ist für etwas zu abstrakt. Ich finde nicht, dass wir unsere Oberklasse auf eine Klasse von Superreichen, wie Reckwitz sie nennt, reduzieren können. Persönlichkeiten aus Reckwitz neuer“ Mittelklasse“ gehören natürlich sowie von ihrem sozioökonomischen, als auch ihren kulturellen Habitus nicht zur Mittelschicht, sondern zur Oberschicht! (Einflussreiche Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik ) BSP: Er leitender Angestellter eines nicht börsennotiertes Unternehmen, sie Rechtsanwältin in einer einflussreichen Kanzlei gehören mit einem Haushaltseinkommen von z.B 250-350TSD Euro jährlich sicher eher nicht zu den Superreichen (wie z.B Spitzensportler_innen Künstler_innen_reiche Erben und Unternehmensinhaber_innen Manager_innen von börsennotierte Unternehmer) , aber eben doch zur gestaltenden Oberschicht.

Lesetipps zu Merkel und Reckwitz im Netz:

https://taz.de/Soziologe-ueber-die-neue-Mittelklasse/!5523416/

https://www.sueddeutsche.de/politik/demokratie-unter-stress-eine-kulturelle-trennlinie-durchschneidet-deutschland-1.4067239

https://taz.de/Linksliberale-und-Identitaetspolitik/!5652406/

 

 

Tarifverhandlungen: Erst Erwartungsmanagement dann Enttäuschungsmoderation

Eigentlich sind es bei Tarifverhandlungen, aus gewerkschaftlicher Sicht, immer dieselben Abläufe und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Erst wird mit logistischen Aufwand Erwartungsmanagement betrieben und nach dem Kompromiss die Enttäuschungen moderiert.

Auch Letzteres wird auch Ver.di nach dem ÖD-Abschluss mit genauso großen Aufwand tun müssen. Es mag ja sein, dass Christine Behle recht hat, wenn sie erwähnt, dass unter den jetzigen Corona Bedingungen nicht mehr zu erreichen war.

In der Mitgliedschaft war allerdings die Erwartung, nach der mit großen Aufwand betriebenen digitalen Erwartungsmobilsation, sehr groß. Und nun werden die geforderten  4,8% nicht mal auf die 28 Monate gestreckt. (ca. 3,2%-untere Einkommensgruppen mehr). Corona Prämie hin, Corona Prämie her. Warum immer 12 Monate fordern, wenn ohnehin nie 12 Monate abgeschlossen werden? Schon alleine aus logistischen Gründen werden die beiden Gewerkschaften (ver.di und Tarifunion) nicht jedes Jahr Tarifverhandlungen mit all dahinterstehenden Prozessen führen können. Aber warum wird das nicht in der Phase „Erwartungsmanagement“ nicht so kommuniziert, dass hier eine Enttäuschung erst gar nicht präsent wird?
Warum wird nicht im Vorfeld schon kommuniziert, dass die Forderungen eine Forderung ist, die im Kompromissverfahren (Tarifverhandlungen) so niemals durchkommen wird, weil es „in einer schwierigen Situation“ eben haLT schwierig ist? Weil es kampagnenschädlich ist?

Mal abgesehen gibt es sicher auch gute Gründe, weil doch mehr drin war!
Das wird im Prozess „Enttäuschungsmoderation“ sicherlich professionell und „aufsuchend“ (weg)moderiert werden. Bei ver.di müssen die Mitglieder in einer eine Umfrage befragt werden. Ich bin sicher, dass die Mehrheiten dafür von der Gewerkschaftsführung organisiert werden.

Den die ver.di leute sind hochprofessionell. Sowohl in der Phase „Erwartungsmanagement, als auch in der Phase „Enttäuschungsmoderation“

Hier die Statements der ver.di Führung -und hier die PM der VKA

PS: Die Pflegekräfte übrings bekommen mehr Erhöhungen, als der restliche Öffentliche Dienst. Gut so! In den betroffenen Nähverkehrsunternehmen muss das Ergebnis noch in den laufenden Manteltarifverhandlungen eingearbeitet werden. Für Flughäfen und Sparkassenpersonale gibt es ebenfalls Sonderreglungen.

 

Corona: Interessante Einlassung von NRW Minister Laumann

NRW Gesundheitsminister Laumann machte gestern in der Talkrunde bei Mabrit Illner zu der Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5, sowie die Maßnahme zweiwöchigen Massentests für Lehrkräfte durchzuführen, folgende Aussage:

Zitat:

Laumann: …“Gesundheitspoltisch von der Bekämpfung der Pandemie her..muss ich sagen war das eine Maßnahme, die eigentlich(..) nicht zu verantworten ähh zu verantworten schon..“ Moderatorin Illner baute eine Kommunikationsbrücke „ Also Sie wollten mehr Sicherheit“ (..) Laumann: (…) „um Ängste abzubauen“ (Quelle Minute ca. ab 44:45 min)

Ahha! Also eine politische Entscheidung, um die Klassengemeinschaften, Eltern und Lehrkräfte die Angst zu nehmen. Ich interpretiere dass so: Die NRW Landesregierung findet ihre eigenen Maßnahmen eigentlich nicht notwendig , aber weil alle Angst haben (Ängste , die ja im Prinzip täglich durch die Politik und Leitmedien geschürt werden) , muss man die Menschen halt die Angst nehmen. Interessant.

War diese Aussage bewußt getroffen? Oder hat Laumann hier versehentlich die mahnende, elterliche Kommunikationstatregie der Landesregierung verlassen? Egal, ob versehentlich oder bewußt: Es war, denke ich, eine ehrliche Aussage.

Die einen werden jetzt sagen: „Das ist der Beweis! Die Regierung glaubt selbst nicht mehr an die „Killervirus“ Version!“
Die Anderen werden sagen: „Unverantwortliche Aussage! Maskenpflicht und Tests sind absolut sinnvoll, um die Pandemie einzudämmen: Außerdem: Wir brauchen Maßnahmen, damit die Bürgerinnen nicht zu leichtfertig werden. Die zweite Welle kommt ja schließlich!“

Ich verbinde damit die Hoffnung, dass wir endlich dazu übergehen können, einen rationalen gesellschaftlichen Aushandlungsprozeß zu starten, um einen pragmatischen Umgang zu finden, damit wir viralen Gesundheitsschutz, ökonomische Stabilität und unsere geliebten Lebenspraktiken in Einklang bringen können.
Die Stimmung in der Bevölkerung ist doch offensichtlich: „Wir tragen die Regierungspolitik mit all ihren Maßnahmen mit, solange die Einschränkungen nur vorübergehend sind.“ Dabei vertrauen anscheinend alle auf einen Impfstoff. Ich bin da allerdings skeptisch!  Aber: Je mehr auslaufende Maßnahmen wieder verlängert werden, desto mehr spüren die Menschen, dass die vorübergehende Normalität bald eine dauerhafte „neue Normalität“ wird. Irgendwann werden dann vermutlich nicht mehr so viele Menschen den Regierungen folgen.

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